Retikulozyten

Retikulozyten – Junge Helden im Blutkreislauf. Dieser Artikel widmet sich den Retikulozyten, den Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen. Erfahre mehr über ihre Rolle bei der Blutbildung, ihre Bedeutung als Indikatoren für das Knochenmarksgeschehen und wie Veränderungen im Retikulozytenanteil Rückschlüsse auf die Blutgesundheit zulassen.

Kurzfassung

Retikulozyten sind junge, unreife rote Blutkörperchen, die aus dem Knochenmark stammen und zur Sauerstoffversorgung des Körpers beitragen. Die Anzahl der Retikulozyten im Blut kann Aufschluss über die Funktionsfähigkeit des Knochenmarks geben. Erhöhte Werte können auf einen akuten Blutverlust, Hämolyse oder Anämie hinweisen, während erniedrigte Werte durch Knochenmarkversagen, Chemotherapie oder Strahlentherapie oder Eisenmangel verursacht werden können.

Defintion

Retikulozyten sind unreife rote Blutkörperchen, die aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf freigesetzt werden. Sie enthalten noch Reste von Ribosomen und können daher unter dem Mikroskop durch ihre retikuläre oder netzartige Struktur identifiziert werden. Nachdem sie in den Blutkreislauf freigesetzt wurden, reifen sie innerhalb von 1-2 Tagen zu reifen, biconkaven Erythrozyten heran und übernehmen die Aufgabe des Sauerstofftransports im Körper.

Normwerte

Die Normwerte für Retikulozyten liegen im Bereich von 25.000 bis 100.000 Zellen/µl oder 0,5% bis 2,5% aller Erythrozyten, können jedoch je nach Labor und Messmethode leicht variieren. Für Neugeborene und Säuglinge sind die Normwerte höher und können bis zu 6% betragen. Bei schwangeren Frauen können die Normwerte aufgrund des erhöhten Blutvolumens und des gesteigerten Bedarfs an Sauerstoff ebenfalls leicht erhöht sein.

Ursachen

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum der Retikulozyten im Körper schwanken kann. Es ist jedoch wichtig, die genaue Ursache zu identifizieren und festzustellen, ob es sich um eine Abweichung nach oben oder unten handelt, um eine gezielte Behandlung zu ermöglichen. Im nächsten Abschnitt werden einige mögliche Ursachen für solche Abweichungen aufgelistet.

Erniedrigte Werte

  • Knochenmarkversagen: Eine Störung oder Erkrankung des Knochenmarks kann die Produktion von Retikulozyten und somit auch roten Blutkörperchen beeinträchtigen. Dies kann zu einem niedrigen Retikulozytenwert führen.
  • Chemotherapie oder Strahlentherapie: Chemotherapie und Strahlentherapie können das Knochenmark schädigen und die Produktion von roten Blutkörperchen, einschließlich Retikulozyten, verringern.
  • Eisenmangel: Eisen ist ein wichtiger Bestandteil von Hämoglobin, dem Molekül, das Sauerstoff transportiert. Ein Mangel an Eisen im Körper kann die Produktion von roten Blutkörperchen und Retikulozyten beeinträchtigen und zu einem niedrigen Retikulozytenwert führen.

Erhöhte Werte

  • Hämolyse: Bei einer Hämolyse werden rote Blutkörperchen abgebaut und zerstört, was zu einem Anstieg der Retikulozyten im Blut führen kann. Eine häufige Ursache für Hämolyse ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene rote Blutkörperchen angreift und zerstört.
  • Blutverlust: Ein signifikanter Blutverlust, beispielsweise durch eine Verletzung oder Blutung, kann dazu führen, dass der Körper vermehrt Retikulozyten produziert, um den Verlust an roten Blutkörperchen auszugleichen.
  • Anämie: Anämie ist ein Zustand, bei dem es zu einem Mangel an roten Blutkörperchen oder Hämoglobin im Blut kommt. Infolgedessen kann der Körper mehr Retikulozyten produzieren, um den Bedarf an Sauerstofftransport im Körper aufrechtzuerhalten.

Symptome und Krankheiten

Retikulozyten an sich verursachen keine spezifischen Symptome oder Krankheiten, sondern können als Indikator für bestimmte Erkrankungen dienen.

Niedrige Retikulozytenwerte können auf Anämie hinweisen, was zu Symptomen wie Müdigkeit, Schwäche, Kurzatmigkeit, Schwindel und Herzklopfen führen kann. Eisenmangelanämie kann auch andere Symptome wie blasse Haut, brüchige Nägel und Haare sowie eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit verursachen.

Hohe Retikulozytenwerte können ein Hinweis auf Hämolyse sein, was zu Symptomen wie Gelbsucht (Ikterus), dunklem Urin und einem erhöhten Bilirubinwert im Blut führen kann. Eine Blutarmut (Anämie) kann auch mit erhöhten Retikulozytenwerten einhergehen.

Maßnahmen zur Korrektur oder Behandlung

  • Bei Anämie aufgrund von Eisenmangel kann eine Ernährungsumstellung auf eisenreiche Lebensmittel oder eine Eisensupplementierung empfohlen werden.
  • Bei Hämolyse kann die Behandlung auf die Erkrankung ausgerichtet sein. Beispielsweise kann eine Autoimmunerkrankung mit Immunsuppressiva behandelt werden, um den Angriff auf körpereigene rote Blutkörperchen zu unterdrücken.
  • Bei Knochenmarkversagen kann eine Knochenmarktransplantation oder eine Therapie mit Wachstumsfaktoren in Erwägung gezogen werden.
  • Wenn die Retikulozytenwerte durch Chemotherapie oder Strahlentherapie beeinträchtigt werden, kann die Dosierung angepasst oder alternative Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden.
  • Bei akutem Blutverlust kann eine Bluttransfusion erforderlich sein, um den Verlust von roten Blutkörperchen auszugleichen.

Es ist wichtig, dass die Maßnahmen zur Korrektur oder Behandlung von Retikulozyten von einem Arzt individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

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Blutwerte Redaktion

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