Frau mit Blutprobe in der Hand

Thalassämie: Diagnose, Laborwerte & Therapie

Thalassämie ist eine seltene genetische Bluterkrankung, die oft unentdeckt bleibt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Formen, Symptome, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten, um Betroffenen eine bessere Verständnis und Versorgung zu ermöglichen.

Kurzfassung

Bei der Thalassämie handelt sich um eine genetische Bluterkrankung, bei der der Körper nicht ausreichend gesundes Hämoglobin produziert, was zu Anämie führt. Die Krankheit kann verschiedene Formen annehmen, darunter Alpha- und Beta-Thalassämie, die auf Genmutationen in den jeweiligen Hämoglobin-Genen beruhen. Symptome umfassen Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit, Wachstumsverzögerung, Knochenschwäche, Gelbsucht und eine vergrößerte Milz. Die Diagnose erfolgt durch Blutuntersuchungen und genetische Tests. Wichtige Blutwerte sind Hämoglobin, Erythrozyten, Hämatokrit, MCV, MCH und MCHC. Die Behandlung variiert je nach Schweregrad, von Bluttransfusionen bis zur Knochenmarktransplantation. Genetische Beratung ist ratsam, um das Risiko für Nachkommen zu bewerten.

Was ist Thalassämie?

Thalassämie ist eine genetische Störung des Blutes, bei der der Körper nicht genug gesunde Hämoglobinproduziert, das für den Sauerstofftransport in den roten Blutkörperchen verantwortlich ist. Diese Anomalie führt zu einer Anämie, bei der die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren, beeinträchtigt ist. Der Körper versucht, den Mangel an roten Blutkörperchen auszugleichen, indem er vermehrt unreife Blutzellen produziert. Dadurch entsteht eine übermäßige Ansammlung dieser unreifen Zellen im Knochenmark, was zu einer Vergrößerung des Organs führen kann. Thalassämie kann verschiedene Formen haben, von milden bis hin zu schweren Varianten, die das tägliche Leben beeinträchtigen können.

Welche Formen der Thalassämie gibt es?

Es gibt verschiedene Formen der Thalassämie, darunter die Alpha-Thalassämie und die Beta-Thalassämie.

Bei der Alpha-Thalassämie liegt eine genetische Veränderung in den Alpha-Globin-Genen vor, die für die Produktion von Alpha-Hämoglobin verantwortlich sind. Die Ausprägung der Erkrankung kann von milden Formen bis zu schweren Formen reichen, die lebensbedrohlich sein können.

Die Beta-Thalassämie ist auf Mutationen in den Beta-Globin-Genen zurückzuführen und kann in verschiedenen Schweregraden auftreten, darunter Beta-Thalassämie minor (träger), Beta-Thalassämie intermedia (milder Verlauf) und Beta-Thalassämie major (schwere Form, erfordert regelmäßige Bluttransfusionen).

Zusätzlich gibt es Kombinationsformen, wie die HbE-Beta-Thalassämie.

Die verschiedenen Formen der Thalassämie haben unterschiedliche genetische Ursachen, Schweregrade und Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Diagnose und Behandlung hängen von der spezifischen Form ab, und eine genetische Beratung ist wichtig, um das Risiko für Nachkommen zu verstehen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Was sind die Symptome von Thalassämie?

Die Symptome von Thalassämie können je nach Schweregrad und Art der Erkrankung variieren. Typischerweise treten sie aufgrund des Mangels an gesundem Hämoglobin auf, der die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigt. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Müdigkeit und Schwäche: Da der Körper nicht genügend Sauerstoff transportieren kann, fühlen sich Menschen mit Thalassämie oft müde und schwach.
  • Blässe: Eine Anämie, die durch Thalassämie verursacht wird, kann zu blasser Haut und Schleimhaut führen.
  • Kurzatmigkeit: Besonders bei körperlicher Anstrengung kann Atemnot auftreten, da der Körper nicht genügend Sauerstoff bereitstellen kann.
  • Wachstumsverzögerung: Bei Kindern kann Thalassämie das Wachstum beeinträchtigen und zu einer verzögerten Pubertät führen.
  • Knochenschwäche: Ein Überschuss an unreifen Blutzellen im Knochenmark kann zu Knochenschwäche und -verformungen führen.
  • Gelbsucht: In einigen Fällen kann Thalassämie eine Gelbfärbung der Haut und der Augen verursachen, aufgrund von übermäßigem Abbau der roten Blutkörperchen.
  • Vergrößerte Milz: Eine vergrößerte Milz, auch Splenomegalie genannt, kann auftreten, wenn der Körper versucht, den Mangel an roten Blutkörperchen auszugleichen.

Zu beachten ist, dass die Symptome von Thalassämie von Person zu Person unterschiedlich sein können, und einige Menschen mit milden Formen der Erkrankung zeigen möglicherweise nur geringe oder keine Symptome.

Wie wird Thalassämie diagnostiziert?

Die Diagnose von Thalassämie erfordert eine sorgfältige Bewertung und eine Kombination von diagnostischen Tests. Zu den Schritten, die bei der Diagnose dieser Erkrankung unternommen werden, gehören:

Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt wird den Patienten befragen, um Informationen über familiäre Vorgeschichten von Thalassämie oder ähnlichen Bluterkrankungen zu sammeln. Eine körperliche Untersuchung kann auf mögliche Symptome oder Anzeichen von Thalassämie hinweisen, wie Blässe, vergrößerte Milz oder Wachstumsverzögerung.

Blutuntersuchungen: Der erste Schritt zur Diagnose von Thalassämie sind Bluttests. Ein vollständiges Blutbild (Blutuntersuchung) kann Anomalien in den roten Blutkörperchen aufdecken, einschließlich einer niedrigen Anzahl roter Blutkörperchen und einer geringen Menge an Hämoglobin. Die Art der Thalassämie kann durch spezifische Bluttests, wie Elektrophorese oder genetische Tests, weiter bestimmt werden.

Gentests: Die endgültige Bestätigung der Diagnose erfolgt oft durch genetische Tests. Diese Tests können Mutationen in den Genen identifizieren, die für die Produktion von Hämoglobin verantwortlich sind und zeigen, ob es sich um eine Alpha- oder Beta-Thalassämie handelt.

Die genaue Diagnose und Klassifizierung der Thalassämie sind entscheidend, um den Schweregrad der Erkrankung zu bestimmen und die angemessene Behandlung einzuleiten. In einigen Fällen kann auch eine pränatale Diagnose während der Schwangerschaft durchgeführt werden, wenn ein hohes Risiko für die Übertragung der Erkrankung auf das Kind besteht.

Welche Blutwerte spielen eine Rolle bei Thalassämie?

Bei Thalassämie spielen verschiedene Blutwerte eine entscheidende Rolle, um die Erkrankung zu erkennen und zu charakterisieren. Die relevanten Blutwerte und ihre Normalwerte sind:

  • Hämoglobin (Hb): Hämoglobin ist ein Protein in den roten Blutkörperchen, das für den Sauerstofftransport verantwortlich ist. Bei Thalassämie ist der Hämoglobinwert oft erniedrigt. Der Normalwert variiert je nach Geschlecht und Alter, liegt jedoch in der Regel zwischen 12 und 16 g/dl für Erwachsene.
  • Erythrozyten (rote Blutkörperchen, RBC): Thalassämie kann zu einer niedrigen Anzahl roter Blutkörperchen führen. Der Normalwert für Männer liegt zwischen 4,5 und 5,5 Millionen pro Mikroliter (µl), für Frauen zwischen 4,0 und 5,0 Millionen/µl.
  • Hämatokrit (HKT): Der Hämatokrit misst den Anteil der roten Blutkörperchen im Blutvolumen. Normalerweise beträgt der Hämatokrit bei Männern etwa 38,3% bis 48,6% und bei Frauen etwa 35,5% bis 44,9%.
  • MCV (mittleres korpuskuläres Volumen): MCV misst das durchschnittliche Volumen der roten Blutkörperchen und kann helfen, den Typ der Thalassämie zu bestimmen. Ein niedriges MCV deutet auf eine mikrozytäre Anämie hin. Normalerweise liegt MCV zwischen 80 und 100 fl.
  • MCH (mittlerer korpuskulärer Hämoglobingehalt): MCH gibt an, wie viel Hämoglobin in einem durchschnittlichen roten Blutkörperchen enthalten ist. Der Normalwert beträgt etwa 27 bis 31 pg pro Zelle.
  • MCHC (mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration): MCHC misst die durchschnittliche Konzentration von Hämoglobin in den roten Blutkörperchen. Der Normalwert liegt zwischen 32% und 36%.

Die Abweichungen von den Normalwerten dieser Blutparameter können auf eine Thalassämie hinweisen. Die genaue Diagnose und Unterscheidung zwischen Alpha- und Beta-Thalassämie erfordert jedoch spezielle Bluttests und genetische Untersuchungen. Abweichungen von den Normalwerten sollten daher immer von einem Arzt interpretiert werden, um eine genaue Diagnose zu stellen und die angemessene Behandlung einzuleiten.

Wie wird Thalassämie therapiert?

Die Therapie von Thalassämie konzentriert sich darauf, die Symptome zu lindern, die Hämoglobinkonzentration im Blut zu erhöhen und Komplikationen zu verhindern. Die Art und Schwere der Thalassämie bestimmen die Behandlungsansätze. Bei schweren Formen sind lebenslange Bluttransfusionen notwendig, um Anämie und Müdigkeit zu bekämpfen. Jedoch kann dies zur Eisenüberladung führen, die durch Chelattherapie kontrolliert wird.

In einigen Fällen, besonders bei jungen Patienten, kann eine Knochenmarktransplantation in Erwägung gezogen werden, um die Krankheit zu heilen. Folsäure-Supplementierung hilft bei der Bildung roter Blutkörperchen, während symptomatische Behandlungen individuell auf auftretende Probleme abzielen.

Genetische Beratung ist wichtig, um das Risiko einer Weitergabe an Nachkommen zu verstehen. Die Therapie erfordert eine lebenslange Betreuung und individuelle Anpassung durch ein medizinisches Team, um die bestmögliche Lebensqualität sicherzustellen und Komplikationen zu minimieren.

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Blutwerte Redaktion

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